Galicien


Galicien
Ga|li|ci|en […t̮si̯ən]; -s:
historische Landschaft u. autonomes Gebiet in Spanien.

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Galici|en,
 
spanisch Galicia [ga'liθja], in Nordwestspanien, autonome Region, die die Provinz La Coruña, Lugo, Pontevedra und Orense umfasst, 29 434 km2, 2,72 Mio. Einwohner, die größtenteils eine eigene Sprache sprechen (galicische Sprache und Literatur). Das weitflächige Mittelgebirgsland (500-800 m über dem Meeresspiegel) aus Granit und Schiefer steigt nach Osten zu allmählich in die Randgebirge auf (höchster Berg im SO: Peña Trevinca, 2 142 m über dem Meeresspiegel) und fällt im Norden und Westen steil zur Küste ab, die durch Rias und Buchten stark gegliedert ist. Galicien ist das regenreichste Gebiet Spaniens (Kap Finisterre 2 430 mm, sonst um 1 500 mm jährlich) und hat mildes atlantisches Klima. Die wasserreichen Flüsse sind zum Teil tief eingeschnitten, allein am Oberlauf des Miño und seines Nebenflusses Sil wurden 17 Stauseen mit Wasserkraftwerken errichtet. Die natürliche Vegetation (Edelkastanien, Eichen, Birken, Stachelginster, Farne) wird zunehmend durch Nutzholzaufforstungen (Kiefern, Eukalypten) verdrängt. Im Landesinnern herrscht bäuerlicher Kleinbesitz in Streusiedlungen vor, mit Anbau von Kartoffeln und Mais, in tieferen Lagen von Gemüse und Obst, an den Talhängen Weinbau und Viehhaltung (Rinder, Schweine, Geflügel); im Bergland Abbau von Wolfram-, Blei- und Zinkerzen. An der dichter besiedelten Küste haben sich die Hafenstädte (bedeutender Fischfang und Miesmuschelzucht) zu Industriezentren entwickelt: El Ferrol (Bau von Supertankern und Kriegsschiffen), La Coruña (Erdölraffinerie, Maschinenbau-, Aluminium-, chemische Industrie), Vigo (Schiffs-, Automobil-, Maschinenbau), Pontevedra (Cellulose- und Papierindustrie), San Ciprián (Aluminiumindustrie). Wichtigster Industriestandort im Binnenland ist Orense (Porzellanindustrie). Kulturelles und politisches Zentrum ist Santiago de Compostela, der traditionsreiche Wallfahrtsort am Ende des Jakobsweges (bedeutender Fremdenverkehr). Galicien ist seit langem Landflucht- und Abwanderungsgebiet.
 
 
Das Gebiet Galiciens wurde zwischen 950 und 650 v. Chr. von keltischen Stämmen besiedelt; von den vorkeltischen Bewohnern ist wenig bekannt, allerdings haben sich Siedlungsreste, megalithische Monumente und die für das Gebiet charakteristischen Befestigungen (»castros«) erhalten. Erst unter Augustus zwischen 29 und 19 v. Chr. von den Römern erobert, war Galicien zunächst Teil der römischen Provinz Hispania citerior, seit 214 n. Chr. eigenständige Provinz (Gallaecia, benannt nach dem keltischen Volk der Kallaiker). Im 5. Jahrhundert war Galicien ein swebisches Königreich, 585 wurde es von den Westgoten unterworfen, im 8. Jahrhundert kam es unter die Herrschaft der Mauren (die kaum direkten Einfluss nahmen). Im Mittelalter erlebte Galicien Perioden politischer Unabhängigkeit, begleitet von wirtschaftlichen und kulturellen Blütezeiten, war jedoch meist Teil des Königreichs León, mit dem es 1230 an Kastilien fiel.
 
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in Galicien regionalistische und nationalistische Bewegungen, die das Land als historisch eigenständige Nation innerhalb Spaniens abgrenzen wollten. 1981 wurde Galicien eine autonome Region.
 
 
Galicien R. Zimmermann: Die bäuerl. Kulturlandschaft in Süd-G. (1968);
 
Unters. zur span. Arbeitsmigration, hg. v. Galicien Mertius (1984);
 R. Villares: Historia de Galicia (a. d. Galic., Neuausg. Madrid 1986).
 

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Ga|li|ci|en [...tsi̯ən]; -s: historische Landschaft in Spanien.

Universal-Lexikon. 2012.

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